Die Geschichten aus Mydor

Die Geschichten von

Tirius von Westwalden

Tirius Kindheit 5

Wenn der Westwald zur Ruhe kam und selbst die ältesten Bäume ihr Knarren einstellten, kehrten manchmal Bilder zurück — leise, weich und klar wie Tau auf jungem Laub.So war es auch in jener Nacht auf der Lichtung, als Tirius im Halbschlaf lag und der Wald ihn in seine Vergangenheit führte.

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Die Nacht auf der Lichtung 4

Der Baumriese bewegte sich lautlos durch den nächtlichen Wald, so leise, wie man es einem Wesen seiner Größe nie zugetraut hätte. Nur das gelegentliche Knacken einer uralten Wurzel verriet seine Schritte. Auf seinem breiten Ast, der wie ein lebendiger Weg diente, saß Tirius und hielt sich an der rauen Rinde fest.

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Der Wächter aus Wurzel und Stein 3

Nachdem die Stimmen der Nymphen verhallt waren, machte sich Tirius erneut auf den Weg. Der Silberstrom glitt an seiner Seite dahin wie ein treuer Gefährte aus Licht. Doch je weiter er ihm folgte, desto dichter schloss sich der Wald um ihn, und der helle Gesang des Wassers wurde vom gedämpften Flüstern alter Bäume ersetzt.

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Die Stimmen des Silberstroms 2

Je weiter Tirius wanderte, desto heller schien der alte Westwald selbst zu atmen. Das dichte Dach der Kronen öffnete sich wie von unsichtbarer Hand, und goldene Sonnenflecken tanzten über die sanft wogenden Farnmeere. Zwischen den Stämmen huschten Rehe und Langschweife, und Vögel sangen Melodien, die Tirius seit seiner Ausbildung bei den Waldhütern nicht mehr gehört hatte – alte Lieder, die nur erklingen, wenn die Magie des Waldes erwacht.

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Die Schatten der Nebelkluft 1

Der Pfad zur Nebelkluft war kein Weg im klassischen Sinn. Er war eine Wunde im Westwald – ein Riss, aus dem ständig fahle Nebel strömten, der scharf wie Glas roch und nach Unheil schmeckte.

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Die Geschichten von

Kiwa Leichtfuss

aus Laufen


 Die geheimnisvolle Bezahlung in Varethor 2

Varethor – die Weiße Stadt im Herzen von Elenar – lag im warmen Licht der Nachmittagssonne, ihre weißen Steintürme funkelten wie geschliffene Kristalle über der endlosen Steppe. Händler, Reiterfürsten, Pilger, Barden und Glücksritter strömten durch die hohen Tore, und mittendrin bewegte sich ein junger Mann mit windzerzaustem Haar, federndem Schritt und einem schelmischen Grinsen: Kiwa Leichtfuß, Gaukler, Akrobat und Geschichtensammler.

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Das Wagenrad im Sturm 1

Der Wind über den Steppen von Elenar war an diesem Tag schlecht gelaunt. Nicht nur ein bisschen.Er war so mürrisch, dass sogar die Gräser flach auf dem Boden lagen wie Soldaten, die hoffen, unentdeckt zu bleiben.Er fauchte, pfiff, bellte und riss an allem, was nicht festgebunden, angenagelt oder direkt von einer starken Magie gehalten wurde.

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Die Geschichten von

Tharon der Zentaur


Der Traum vom Anfang und Ende 3

Die Nacht hatte sich wie ein dunkler Schleier über Elenar gelegt. Der Wind strich flüsternd durch das trockene Gras, doch Tharon hörte es nicht mehr. Er war längst in den Schlaf gesunken – tief, schwer, getragen vom Rhythmus seines eigenen Herzens.

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Am Rande des Westwaldes 2

Tharon ritt viele Tage durch die Steppe von Elenar. Der Wind begleitete ihn, trug Staub und alte Lieder mit sich, doch je weiter er nach Westen kam, desto schwerer schien die Luft zu werden. Die weiten Gräser gingen über in dunklere Böden, und am Horizont wuchs ein Schatten, der langsam Form annahm: der Westwald.

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Der Kreis aus Stein 1

Der Morgen brach still über Elenar an. Nebel kroch wie silberne Tücher über das Gras, und die Steppe war erfüllt von jener besonderen Ruhe, die nur in der Stunde vor dem Wind existiert. Tharon bewegte sich fast lautlos, seine Hufe sanken weich in den taufeuchten Boden.

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Die Geschichten von

Sira Windbrich


das Pergament vom Varethor-Schiff 1

Der Markt von Dornhafen brummte wie ein wütender Bienenstock.Händler schrien ihre Preise, Matrosen fluchten, Möwen kreischten, und aus jeder Ecke stieg ein anderer Geruch auf: gebratener Aal, würziger Eintopf, scharfer Pfeffer aus dem Süden, und natürlich der allgegenwärtige Duft von frischem – oder nicht mehr ganz frischem – Fisch.

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Die Geschichten von

Liora Uferstein


Das Leuchten ihrer Hände 1

Der Silbersee lag still an diesem frühen Nachmittag, nur ein sanfter Wind kräuselte die Oberfläche wie tausend kleine Funken. Liora, damals kaum älter als sieben Sommer, sprang barfuß durch das seichte Wasser, lachte dem Echo der Möwen entgegen und sammelte bunte Steine am Ufer. Dies war ihr liebster Ort – hier fühlte sie sich geborgen, als würde der See sie kennen.

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Sagen und Legenden aus Mydor


Die Legende um das Schwert Blattfall

Lange bevor der Waldorden gegründet wurde, bevor Mydor seine heutigen Grenzen kannte, streifte Aelendir Blattblick allein durch den Westwald. Er war der erste, den der Wald selbst erwählte – nicht wegen seiner Stärke, sondern wegen seiner Stille. Aelendir sprach wenig, hörte viel und konnte den Herzschlag der Erde fühlen.

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