Der Wächter aus Wurzel und Stein 3

Nachdem die Stimmen der Nymphen verhallt waren, machte sich Tirius erneut auf den Weg. Der Silberstrom glitt an seiner Seite dahin wie ein treuer Gefährte aus Licht. Doch je weiter er ihm folgte, desto dichter schloss sich der Wald um ihn, und der helle Gesang des Wassers wurde vom gedämpften Flüstern alter Bäume ersetzt.

Der Weg zur Nebelkluft war gefährlich. Niemand beschritt ihn ohne Grund.
Doch Tirius musste wider dorthin. Wo er von den Schemen verfolgt wurde. Diese mal weis er aber das sie da sind und er wird auf der hut sein ihnen möglichst nicht zu begegnen den dort war Blattfall zuletzt gesehen worden. Und es ist seine bestimmug es zu finden und zu führen.

Die Schatten zwischen den Stämmen wirkten tiefer als sonst. Und bald spürte er es:

Er war nicht allein.

Er hielt an. Nichts bewegte sich — und doch war es da. Ein Blick. Eine Präsenz.
Die Art, wie der Wald still wurde, verriet es ihm.

Tirius drehte sich langsam.
Nur Bäume.
Nur Schatten.
Nur Wind.

Da hörte er ein Raunen.
Tief, grollend, wie das Krächzen einer uralten Eiche.
Und dann — seinen Namen.

„Tiiiirius…“

Er hob den Blick.

Über ihm, halb im Blätterdach verborgen, erhob sich ein Baumriese.
Sein Körper bestand aus mächtigen, verwachsenen Stämmen, die wie Muskeln wirkten.
Moos hing wie ein alter Mantel von seinen Schultern.
Und seine Augen — groß, bernsteinfarben, warm — blickten auf ihn herab wie zwei Sonnen im Zwielicht.

Tirius lächelte.

„Hallo, mein alter Freund. Es ist lange her.“

Der Baumriese senkte den mächtigen Kopf, und seine Stimme rollte wie ferne Donner über die Lichtung.

„Laaaange… Zeit… Hüüüter.
Die Bäume… murren.
Unruheeee… zieht durch den Wald.“

„Ich weis“, antwortete Tirius ruhig. „Ich folge dem Pfad. Ich suche Blattfall… und ich fürchte, die Schemen sind näher, als uns lieb ist.“

Der Baumriese blinzelte träge — die Art Trägheit, die nur Wesen kennen, die länger leben als ganze Völker.

„Ich… trage dich… ein Stück.
Der Wald… ist in Sorge.“

Er senkte einen gewaltigen Ast wie eine Brücke herab.
Tirius kletterte hinauf wie ein Kind auf den Arm eines vertrauten .

Und so zogen sie weiter —
durch Farnmeer, die unter ihren Schritten wogten,
über Wurzelhügel, die wie alte Rücken wirkten,
unter Bögen aus lebenden Zweigen hindurch,
wo Licht golden wie Honig tropfte.

Der Westwald selbst schien sie zu beobachten.

Das Feuer

Nach einiger Zeit hielt der Baumriese plötzlich inne.
Der ganze Körper erstarrte, und sein Blick ging weit in die Ferne.

„Rauch…“ brummte er.

Tirius sprang sofort vom Ast und landete weich im Moos.
Der Geruch erreichte ihn jetzt auch.

Feuer. Er rannte los. Gebückt, schnell, wie ein Pfeil zwischen den Bäume durch.

Der Rauch wurde dichter.

Als er nur noch einen Steinwurf entfernt war, sah er es:
Vier Kinder.
Viel zu jung für den Wald.
Sie hatten ein kleines Lagerfeuer entzündet das nun außer Kontrolle geraten war.

Flammen leckten bereits an einem Busch.
Funken sprangen über wie gierige Zungen.
Die Kinder standen starr vor Schreck.

„Zurück!“ rief Tirius, und seine Stimme hallte durch das knister des Feuers.

Er war bei den Flammen, noch ehe sie reagieren konnten.
Mit bloßen Händen und Stiefeln trat und warf er Erde auf das wachsende Feuer.
Das brennende Gestrüpp fauchte, als wolle es sich wehren.

Als die Kinder sahen, wie er das feuer versuchte zu löschen, kam endlich auch Bewegung in sie.

„Hier! Erde! Schnell!“ rief eines.

Und gemeinsam, Handvoll für Handvoll,
erstickten sie die Flammen.
Immer wieder glomm eine das feuer wider auf,
immer wieder fachte das feuer wider auf,
doch am Ende nach mühsamer Arbeit,
war das Feuer besiegt.

Der Wald atmete aus.
Tirius ebenfalls. Er wandte sich zu den Kindern um, die ihn nun mit weit aufgerissenen Augen anstarrten.

Seine Stimme war ruhig, aber bestimmt.

„Kinder… das hätte wirklich schlimm enden können. Wo sind eure Eltern?“

„Auf dem Feld… und zu Hause“, stammelte eines.

Tirius nickte ernst.

„Feuer ist kein Spielzeug. Vor allem nicht hier im Westwald.
Ihr hattet Glück das ich war in der Nähe.“

Die Kinder senkten die Köpfe.

Tirius ging zu der Feuerstelle und zeigte ihnen:

„Eine Feuerstelle muss immer frei sein von Ästen und Wurzeln Laub
So.“
Er schob mit dem Fuß Blätter und trockenes Holz zur Seite.
„Und sie gehört in eine Grube mit einem Steinkreis ,die keine Wurzeln hat, die weiterbrennen können.“

Die Kinder nickten heftig und versprachen, nie wieder so unbedacht ein Feuer zu machen.

„Gut“, sagte Tirius. „Der Wald verzeiht, aber er vergisst nie.“

Langsam wurde der Himmel rosa.
Die Sonne sank zwischen die hohen Stämme. ,,Geht nachhause Kinder, es wird dunkel. “
Die Kinder verabschiedeten sich und liefen zurück zu ihren Eltern.

Der Weg zurück

Tirius kehrte zu dem Baumriesen zurück, der geduldig wartete — so unbewegt wie ein uralter Hüter.

„Kleines Feuer“, brummte er, als Tirius auf den Ast zurückkletterte.
„Große Gefahr.“

„Das stimmt“, antwortete Tirius. „Aber wir waren rechtzeitig da.“

Der Baumriese nickte.
Dann wandte er sich um, und gemeinsam verschwanden sie wieder im tiefen Grün des Westwaldes.

Weiter Richtung Schicksal.

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